Neues Leben in Dubica

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Dass sich Kasim nur in Begleitung von Soldaten in sein eigenes Haus getraut hat ist schon einige Jahre her. Heute können wir uns das kaum vorstellen, so friedlich ist die Atmosphäre in der Stadt Dubica. Kasim hat uns zum Grillen eingeladen, zusammen mit seiner Familie und ein paar Freunden sitzen wir im Schatten seines Hauses.
Dubica ist die erste Station unserer Motorradreise durch den Balkan. Innerhalb weniger Tag lernen wir erstaunlich viele Bosnier kennen, die deutsch sprechen, so wie Kasim. Der humorvolle Vater dreier Kinder gehört zur muslimischen Minderheit in Nordbosnien. Während des Krieges floh er mit seiner Familie nach Deutschland, wo er einige Jahre lebte und arbeitete. Als er im Jahr 2000 wieder zurück kehrte, war sein Haus besetzt.

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Er musste erst nachweisen, dass es sein Besitz ist, bevor er wieder einziehen konnte. In der ersten Zeit nach dem Krieg trauten sich Rückkehrer wie er nur tagsüber in die serbische Zone, der heutigen Republik Srbska. Nachts fuhren sie in die bosnische Föderation, um am nächsten Tag wieder in Begleitung von K-FOR Militärfahrzeugen weiter ihre Häuser zu renovieren. Davon ist heute, fast fünfzehn Jahre später nichts mehr zu spüren. Kasim zeigt uns das Gartengrundstück seiner Familie, hier baut er Gemüse, Mais, Birnen und Pflaumen an, im Stall stehen zwei Kühe. Der studierte Ingenieur arbeitet als Selbständiger Installateur, einen grossen Teil der Wasseranschlüsse in der Stadt hat Kasim gelegt. Als wir mit ihm durch seinen Stadtteil auf dem Berg gehen, wird er an jeder Ecke gegrüsst, beim Grillen kommen immer wieder Nachbarn auf ein kurzes Gespräch vorbei oder winken beim Vorbeifahren. Und viele von ihnen sprechen deutsch, denn so wie Kasim flohen auch sie im Krieg nach Deutschland. Nicht wenige sind in Ländern wie Deutschland, der Schweiz oder Schweden geblieben und kehren nur in den Sommermonaten zurück nach Dubica. Dann ist Hochsaison für Kasim, denn dann basteln alle an ihren Sommerhäusern. Jeden Tag ist Kasim von frühmorgens bis abends unterwegs, baut und repariert. Auch Sonntags, dann aber erst ab 10.00 Uhr. „Sonntags schlafe ich aus.“ sagt Kasim lachend.

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