Der Unfall in Serbien

Entlang der DonauEin Geländewagen rammte unser Motorrad auf einem Campingplatz in Serbien. Letztes Jahr im Sommer passierte es, die Geschichte hatte noch ein langes Nachspiel.

Der Unfall
Wir reisten im Sommer 2013 mit unserer BMW F650 durch den Balkan. Die Donau war unsere Orientierung Richtung Osten. Hinter uns lag die wuselige Großstadt Belgrad, der Weg führte uns durch kleine Städte und Dörfer entlang des Nationalparks Djerdap. Auf der anderen Flussseite liegt Rumänien. Am Nachmittag fanden wir einen kleinen Campingplatz direkt am Donauufer. Wir parkten die BMW vor einer Holzhütte, in der die Rezeption eingerichtet war, stiegen ab und gingen rein. Während Sonja die Anmeldeformalitäten erledigte, ging ich noch einmal raus zum Motorrad, um unsere Pässe aus dem Tankrucksack zu holen. In diesem Moment sah ich, wie ein Auto, das am Ufer geparkt war rückwärts rausfuhr und gegen unsere BMW knallte. Das mit Koffern und Packsäcken beladene Motorrad kippte auf die Seite und der Wagen setzte noch ein paar mal nach. Der Fahrer dachte wohl, ein Stein oder Ast läge im Weg. Erst als ich laut rufend zu ihm rannte, stoppte er und stieg aus. Nachhören könnt ihr die Geschichte im PegasoPodcast#49. Kurz gesagt: Die Kofferhalterung auf der rechten Seite war eingedrückt. Ärgerlich, aber das Motorrad war noch reisetauglich. Nach einigem Hin- und Her tauschten wir mit dem Fahrer des Wagens die Adressen aus und der Typ sagte uns, seine Versicherung würde den Schaden bezahlen. Der Fahrer war, wie sich herausstellte, ein sehr wohlhabender und einflussreicher Geschäftsmann, den sie dort nur den „Tycoon“ nannten. Er wollte den Schaden angeblich über die rumänische Versicherung seiner Firma abwickeln „das ist besser für uns alle!“ wie er sagte.

Wer blecht für den Schaden?
Zuerst dachten wir, von dem hören wir nie wieder etwas. Doch einen Monat nach der Reise bekamen wir tatsächlich Post vom Tycoon. Ein offiziell aussehendes Dokument lag im Umschlag, offenbar ein Unfallprotokoll in serbischer Sprache. Da weder Sonja noch ich Serbisch sprechen und auch sonst in Rechts- und Versicherungsfragen keine Profis sind, wollten wir uns erst einmal schlau machen. Die Beratungshotline eines großen deutschen Autolobbyistenvereins konnte uns auch nicht wirklich helfen, sie rieten uns nur, unsere Versicherung zu fragen. Obwohl wir nur eine Haftpflicht haben, fragte ich trotzdem nach. Die nette Mitarbeiterin gab den sehr hilfreichen Tipp, dass alle europäischen Versicherungen in jeden Land eine Vertretung haben. Als ich ihr den Namen des Unternehmens nannte, konnte sie mir die entsprechende Adresse in Deutschland nennen.

Dabei handelt es sich offenbar um ein Büro, dass die Angelegenheiten ausländischer Versicherungen im Inland vertritt. Sehr praktisch, ich konnte mit ihnen in deutscher Sprache kommunizieren. Jetzt wurde mir auch klar, warum es „besser ist“, wenn das über eine rumänische, also europäische Versicherung lief. Dieses Büro gab mir dann dasselbe Formular in deutscher Sprache, auf dem ich den Unfall beschrieb. Und ich sollte natürlich den Schaden beziffern.

Mittlerweile hatte der Schrauber meines Vertrauens ein Gutachten erstellt: Nicht nur der Kofferträger, auch die Haltepunkte für den Träger am Rahmen waren verbogen. Die angefahrene Verkleidung müsste neu lackiert und der Träger komplett ersetzt werden. Alles professionell gemacht würde knapp tausend Euro kosten.

Das Nachspiel
Nachdem ich alle notwendigen Daten und Papiere an das deutsche Vertretungsbüro geschickt hatte, hörte ich erst einmal lange nichts. Ich fragte nach und die Dame erklärte mir, dass sie die Daten nach Rumänien geschickt hätten und nun auf eine Antwort warten. Dann hörte ich wieder lange Zeit nichts. Und jetzt im März bekamen wir dann endlich wieder einen Brief. In vier knappen Zeilen teilen sie uns mit, dass sie den Schaden „auf der Grundlage des geltenden serbischen Rechts“ mit 847,94 € erstatten.

Da wollen wir nicht meckern.
Sondern mit einem selbstgebrannten serbischen Sliwowitz auf die internationale Bürokratie anstossen. Živeli!

Schreiben der Versicherung

3 Gedanken zu „Der Unfall in Serbien

  1. Wir erinnern uns noch gut an die Aufregung nach dem Unfall; wer hätte gedacht dass da jemals eine Schadensregulierung erfolgt? Erinnert ihr euch??? Wir waren mit unserem Mercedes-Bus auf dem Weg nach Indien. Liebe Grüße von Manuela und Heiko

    • Hallo Manu und Heiko,
      das ist ja schon wieder eine Weile her, aber wir erinnern uns sehr gut daran. Geht es euch gut?
      Viele Grüße aus Lublin / Polen

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