Gestrandet in den Bergen

Unterwegs in den BergenWie weit ist es bis Takengon? Laut Karte sind es 60 km, ein Indonesier versichert uns 300 km. Hier in den Bergen Nordsumatras können wir uns auf nichts verlassen. Mal rauschen wir mit den Mopeds über guten Asphalt, mal geht es kilometerweise durch groben Schotter. Mal fahren wir durch enge Kurven bergauf und dann wieder lange bergab. Bei den Abfahrten machen wir es so wie die anderen hier: Motor abstellen und dann 20 Minuten lang rollen lassen. Irgenwann wird es abend, es regnet und wir sind immer noch in der Einsamkeit der Berge unterwegs. Bis Takengon schaffen wir es ganz sicher nicht mehr. An einem Kiosk in einem kleinen Dorf frage ich, ob es hier ein Hotel oder eine Unterkunft gibt. Keine Chance, hier gibt es nichts. Wir haben gerade mal die Hälfte der Strecke geschafft und sind ratlos. Der Kioskbesitzer deutet uns an, dass wir in seinem Haus übernachten können. Es ist eine einfache Holzhütte, zwei Zimmer, drei Glühbirnen, ein Fenster. Wir nehmen die Einladung gerne an, was bleibt uns anderes übrig?

unser Gastgeber Gaul und Familie

unser Gastgeber Gaul und Familie

Noch bevor wir das Gepäck von den Motorrädern gerödelt haben, versammeln sich Freunde und die Familie vor dem Haus. Viele Frauen und Kinder sind dabei, wir unterhalten uns mit Händen und Füssen. Auf der Landkarte zeigt Sonja, wo wir bisher unterwegs waren. Eine besonders kommunikative Frau zeigt uns auf der Karte das Dorf, in dem wir sind. In dieser Gegend lebt das Volk der Gayo, erklärt sie uns langsam und geduldig. Mit einem Wörterbuch und vielen Zeichen tauschen wir uns über die Sprachen Indonesisch, Deutsch und Gayo aus. Zwischendurch kommen immer wieder neue Leute, setzen sich dazu, stellen Fragen und lachen mit uns. Es ist mittlerweile stockfinster geworden. Gaul, der Kioskbesitzer bringt uns Tee und Reis mit Eiern zum Abendessen. Wir legen uns in der Stube auf den Teppich zum Schlafen. Hinterm Haus ist ein Reisfeld, es ist still im der Nacht.

Versammlung im Haus

Versammlung im Haus

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns herzlich von Gaul und seiner Familie. Wieder einmal sind wir erstaunt und dankbar für die Gastfreundschaft. Mit den Mopeds knattern wir weiter durch die Berge. Bis Takengon sind wir noch vier Stunden unterwegs. Hinter uns liegt der landschaftlich schönste Abschnitt dieser Reise.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s