40 Jahre deutscher Pass

deutsche UrkundeVor vierzig Jahren, am 25. April 1975 erhielt ich die deutsche Staatsbürgerschaft. Ich war gerade mal zwei Jahre alt. Meine deutsche Mutter und mein brasilianischer Vater hatten sich in Brasilien kennengelernt und kamen für einige Zeit nach Europa, denn mein Vater hatte einen Job als Journalist in Köln. Ihr Sohn war nach der Geburt erst einmal brasilianischer Staatsbürger, denn sie dachten, sie würden nicht lange bleiben. 

In den ersten Jahren richteten wir uns in kleinen Mietwohnungen mit Secondhand-Möbeln ein, es war ja nur ein provisorischer Aufenthalt. Doch der Vertrag meines Vaters wurde immer wieder verlängert und mit der Zeit wurde aus dem Provisorium ein Daueraufenthalt in Deutschland. Ich bekam einen deutschen Pass und wir zogen in ein Reihenhaus. Unser Zuhause war lange Zeit eine Anlaufstelle für die brasilianische Diaspora in Nordrhein-Westfalen, meine Eltern unterstützten andere Brasilianer, die ebenfalls in Deutschland ihr Glück suchten. Wären wir damals nach Brasilien gezogen, sähe mein Leben sicher komplett anders aus. Das Land stand in den 70er und 80er Jahren nicht für Strand und Samba, sondern für eine Militärdiktatur und eine dramatische Inflation. Brasilien war damals noch Dritte Welt. Es war eine gute Entscheidung meiner Eltern, die deutsche Staatsbürgerschaft für mich zu beantragen. Gut, dass sie die Freiheit hatten, sich zu entscheiden.

PassbilderWie unendlich wertvoll der EU – Pass ist, habe ich erst gelernt, seitdem ich viel reise. Es gibt nur wenige Länder auf diesem Planeten, die ich nicht betreten darf. Ich habe schon über die umständlichen Grenzformalitäten in Südamerika geflucht, viel Geld für russische Visa ausgegeben und mich über die spontan erhöhten Einreisegebühren in Indonesien geärgert. Doch ich durfte überall rein. Selbst nach China, Kuba oder Iran kann ich mit diesem Pass fahren. Das ist für die meisten Menschen ausserhalb der EU nicht so selbstverständlich. Besonders deutlich wurde mir das bei der Begegnung mit den zwei Nigerianern und ihrer Motorradreise „Out of Nigeria„. Ihr ursprünglicher Plan einer Weltumrundung scheiterte daran, dass sie viele Visa nicht bekommen konnten. Weil sie nigerianische Staatsbürger sind, nur deswegen. Selbst nach Europa zu kommen war schwierig, obwohl sie als Touristen mit ihren 1200er BMW Motorrädern kamen und nicht als Flüchtlinge. Die Freiheit zu Reisen sollte ein Menschenrecht sein. Egal ob ich vor Hunger oder Krieg flüchte oder einfach nur Spaß daran habe, die Welt zu erkunden.

Ein Gedanke zu „40 Jahre deutscher Pass

  1. „Die Freiheit zu Reisen sollte ein Menschenrecht sein“.
    Ja und mir, der erst 1990 diese Freiheit bekommen hat, wird das ebenfalls immer bewusst, wenn ich irgendwo in einem Land bin, wo ich hätte früher nie hinreisen konnte.

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