pp99 – Herbert Schwarz

Herbert Schwarz

Touratech ist insolvent! Diese Nachricht erschütterte im August 2017 die Motorradreise-Szene. Die Geschäfte liefen zwar weiter doch der nächste Hammer kam zum Jahresende: Herbert Schwarz, Gründer, Geschäftsführer und Gallionsfigur des erfolgreichen Zubehörherstellers steigt aus. Genauer gesagt: Er wurde ausgestiegen. Im Interview erzählt Herbert, wie die Touratech Geschichte in den 90er Jahren begann, wie aus einer Leidenschaft ein großes Unternehmen wurde, wie plötzlich das Ende kam und welche Pläne er nun hat. Denn die Geschichte von Herbert Schwarz geht weiter. Er hat viele Ideen, Inspirationen und wird auch zukünftig in der Motorradreiseszene aktiv sein.

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10 Gedanken zu „pp99 – Herbert Schwarz

  1. Ist Touratech nicht ein Synonym für überteuertes Zubehör, das kein Tourenfahrer braucht bzw bei den jeweiligen Herstellern direkt (und billiger) beziehen kann ? Die paar Heinis, die noch mit den anfällig gewordenen BMWs aus chinesischer Produktion in der Welt herumgondeln wollen, mal ausgenommen; das sind jedoch keine Globetrotter im Sinne der ursprünglichen Bedeutung, sondern WegwerfReisende, die 4, 5 oder 6 Wochen andere Kulturen ‚kennenlernen‘ wollen, damit sie zuhause in der Volkshochschule oder dem Musikerheim Vorträge halten können …
    .. und nicht zu vergessen: die SchickiMickeria, welche dort gerne Dinge kauft, die sie nicht braucht, sich deren unbedingte Notwendigkeit jedoch gegenseitig gerne bestätigt und auf ihr redundantes Konsumverhalten ebenso satt eingeschworen ist wie die untere soziale Schicht auf den Detlef ;-?
    Vernünftige Leute fahren -außer sie wissen es nicht besser- mit keinen schweren GS-Krapfen mehr in der Weltgeschichte herum, da wurde weit Besseres erfunden, wir schreiben mittlerweile das Jahr 2018.

    Was Herrn Schwarz betrifft, finde ich es nett, daß er zwar der (Fan)Welt per Internet auf einer sehr bunten Seite mitteilt, er werde sie an seinen neuen Ideen teilhaben lassen, doch darüberhinaus nichts von Bedeutung von sich gibt – soviel zur Aussage, Nägel mit Köpfen machen zu wollen … und frage mich, ob er sich selbst nicht ein wenig zu wichtig nimmt…

    • Lass doch jeden fahren mit was er will und lass jeden sein Geld ausgeben für woran er Spass hat. Besserwisserei war nie hilfreich, es ticken halt nicht alle gleich, und das ist gut so!

      • Aber ja doch, ich lasse ;-!

        Gleichzeitig bin ich froh, daß die Betreiber dieses Blogs eine konträre Meinung zur Notwendigkeit, ohne Ausrüstung mit dem Touratech-Logo keine Touren fahren zu können, zulassen, was nicht überall selbstverständlich ist – wie man unschwer an Deiner Wortspende ablesen kann.
        Daß ich selbst über manche Details tatsächlich ‚besser‘ Bescheid weiß liegt vllt daran, daß ich aus einer Zeit komme, wo man Touren mit Rucksack und Anorak aus Leinen fuhr und damit bereits den Zenith der leistbaren, käuflich erwerbbaren und sinnvoll-praktischen Ausrüstung ‚auf Tour‘ erklommen hatte.

        Poser gab es zu jeder Zeit und schon anno dazumals haben mir einige jener Typen, die sich zwar eine Lederjacke leisten konnten, aber außerstande waren eine Doppelduplex einzustellen, erklärt, wie das so ist mit dem Reisen; dies waren schlicht gesagt die Vorgänger jener hippen ‚Biker‘, die nun mit 3 Koffern, eingeschalteten Weitstrahlern auf den Bügeln, welche die Ventildeckel vor den Bordsteinen schützen (die einzigen Steine, die ihnen jemals nahe kommen werden) und wichtigem Blick die Wüsten der Flaniermeilen der Großstädte durchpflügen und all jene von oben herab betrachten, die kein ABS fahren (wollen) – und jener eingebildet wertvollere Menschenschlag, der bloß in seiner Vorstellung „irgendwann“ die Welt bereist haben wird, ging mir schon immer auf den Geist … 😉

        Die tatsächlich von Touratech hergestellten Produkte sind nicht schlechter, aber nirgendwo entscheidend besser als andere Erzeugnisse; und genauso, wie es zu BMW bessere Alternativen zum Touren gibt, kommen Tourenfahrer ohne den Hipe zurecht, der unangebrachterweise um Touratech künstlich aufgebauscht wurde – und daher locker ohne diese beiden Marken, falls sie vom Markt verschwinden sollten.
        Auch wenn sich Religionsfanatiker im Augenblick dies nicht vorstellen können … 😉

    • (…)

      Dank an Herbert Schwarz für den Mut, persönlich Stellung zu nehmen. Kein einfacher Schritt, wenn man öffentlich das Scheitern erklären will/muß.
      Das flaue Gefühl im Bauch, verursacht durch menschliche Enttäuschung und Ärger über eigene Fehlentscheidungen wird sicher noch etwas anhalten.
      Schön, dass es schon neu Pläne gibt. Aber nicht hetzen – 2.0 soll ja alte Fehler nicht wiederholen.

      Viel Erfog

    • Bei den exorbitanten Preisen von Touratec hat es mich verwundert, dass diese Betrieb sich so lange gehalten hat. Das dort Zubehör angeboten wird, der durchaus für den einen oder anderen Tourenfahrer sinnvoll ist, will ich nicht bezweifeln. Das dort aber z.B. für zwei simple Kunstoffplatten, die die Hände schützen sollen mehr als 100 Euronen aufgerufen werden…. Wie auch immer, es war, für mich, abzusehen das der Shop in der Form nicht überlebt. Zumal bei der Konkurrenz (eBay und co) solche Dinge erheblich günstiger, bei gleicher Qualität, zu erwerben sind.

      • Nun, konkret die Handschützer kann man nicht als überteuert bezeichnen, im Gegenteil. Ich kenne die angebotene Qualität nicht – aber wie sie aussieht bzw beschrieben wird, sind 100 € nicht zu viel dafür, wenn das im Prinzip gleiche Produkt bei Acerbis, mit dem ich durch die Gegend fahre, 160 € kostet. Simple Plastikspoiler ohne Schutzwirkung bekommt man allerdings bereits ab 20 €…

  2. Hallo!
    Das ist also die Sichtweise von Herbert Schwarz. Gut das er dazu steht, selber zahlreiche Management-Fehler begangen zu haben. Angefangen bei „du bekommst 50% von meiner Firma“!
    So was würde ein cleverer Kaufmann nie machen…
    Das ist dann auch das Problem: Er ist ein genialer selbst-Vermarkter/Verkäufer, aber leider kein cleverer Kaufmann/Unternehmer. Mit der Leitung eines 400 Mann Betriebs war er wohl einfach überfordert. Darum hat ER ja auch die Firma in die Insolvenz gefahren.
    Seine „Partner“ wollen mit ihm nichts mehr zu tun haben, also musste er gehen.
    Er war da wohl auch etwas „Beratungs-Resistent“!

    Ein Interview mit einem von ihnen gibt es in der aktuellen Ausgabe von motorradreise.tv.
    Der neue Eigentümer wird aus Touratech alles für ihn nützliche heraus ziehen und die Firma dann planmäßig versenken. So wie die Chinesen das seit 20 Jahren machen.
    Dabei werden viele Mitarbeiter „frei gesetzt“ werden und Geschäftsfelder aufgegeben.
    Mit diesen Mitarbeitern und in diesen Geschäftsfeldern kann Herbert wieder einsteigen… er kennt sich ja gut aus, kennt die Lieferanten und Kunden.
    Ja, ich glaube der packt das wieder… in kleinerem Rahmen.

    PS: Das Touratech in Zukunft weiterhin Motorrad-Reisende und -Treffen großzügig Sponsern wird, das glaube ich aber nicht. Das interessiert die neuen Eigentümer nicht.

    Für mich als Motorrad-Reisenden ist das egal. Ich hatte nie irgendwelches Equipment von Touratech und daran ändert sich auch nichts…

    Wobei: Eine wasserdichte Textilkombi hätte ich schon ganz gerne. 😉

    Euch beiden noch ein schönes Wochenende und produziert noch viele neue Podcasts…

    Peter M.

  3. Schade, dass die Kultur des Scheiterns (und Wiederaufstehens) in Deutschland praktisch unbekannt zu sein scheint. Nichts als Häme und Schadenfreude… Hinterher ist man bekanntlich schlauer. Alle die es immer schon besser gewusst haben und niemals Fehler machen seien hiermit von Herzen zu beglückwünschen.

    Ich ziehe den Hut wie Herbert mit der für ihn auf jeden Fall traurigen Erfahrung umgeht. Ich wünsche Herbert und seiner Familie ganz viel Kraft und positive Energie für einen Neustart. Auch wenn es sich platt anhört: das Leben geht weiter. Für jede Tür die sich schließt, öffnen sich mehrere neue.

  4. Es gehört dazu dass bei einem scheitern alles aufgearbeitet wird was sich angestaut hat, es aber als Schadenfreude zu bezeichnen wenn man Kritik an den Entscheidungen übt finde ich grenzwertig. Man sollte sich tiefer damit beschäftigen bevor man sowas schreibt. H.Schwarz sagt, man habe ihm die Firma weg genommen, dies ist ein Denkfehler, der ihm bei dem Verarbeiten des Ganzen im Weg steht, man hat es ihm nicht weg genommen, er hat entschieden eine AG aus der Firma zu machen um fremdes neues Geld zu generieren, er hat die Firmenanteile großzügig verschenkt als ob es ihm nichts wert war.
    Zudem war er sooft nicht vor Ort, weil er lieber auf Reisen war, dass man den Eindruck gewinnen konnte dass ihm die Firma nichts bedeutet, dabei war er der Unternehmer, der Gründer und er lies seine Firma zurück und ging seinem Hobby nach.
    Er hat einige massive Fehler gemacht, Managementfehler und unternehmerische, falsche Entscheidungen getroffen und keine Hilfe genommen, ein Berater der das Ganze von Außen betrachtet ist effektiver als alle die drin sitzen.
    Meist kommt mit so einem Unternehmerweg auch eine Art Burnout, eine Leere und eine Depression die in Wut umschlägt, man merkt es wenn H.Schwarz davon spricht dass man ihm seine Firma weg genommen hat, wie einem Kind sein Spielzeug. Es ist nicht mehr deine Firma Herbert, sie war es schon sehr lange nicht mehr, du hast sie erst verschenkt und dann waren für dich immer mehr andere Dinge wichtiger als die Firma, Afrika ist weit weg von Niedereschach.
    Zudem ist nicht alles schlecht was TT produziert, manches passt zwar nicht so gut und man muss es nacharbeiten, anderes ist sehr teuer. Manches davon ist reiner Luxus der an einem Reisemotorrad eigentlich nichts zu suchen hat, wenn man nicht unbedingt mit einer BMW protzen will, die in der Einfahrt steht und 20 K€ gekostet hat.
    Ich denke, Herbert Schwarz sollte sich nun erstmal klar werden was er will, was er kann und wie er es angeht um auch aus den Fehlern zu lernen, mit was kann er seine Familie ernähren.
    Alles andere gibt sich mit der Zeit, verarbeiten hat nichts mit von heute auf morgen zu tun, sondern braucht Zeit, sei ehrlich zu dir selbst und sehe deine Fehler ein, dann ist es leichter es zu akzeptieren, wenn du Ausreden verwendest und alle anderen schuld sind, wird es dir nicht gelingen.

  5. Ich finde die Stellungnahme und den Mut zu diesem Interview bewundernswert und es zeigt einfach einen ehrlichen Charakter… Wer einmal bei einem Travel-Event auf der Zeltwiese dabeisein und diese unglaublich familiäre Atmosphäre aufsaugen konnte, dürfte hier wohl feuchte Augen bekommen.

    Was intern passiert ist, kann wirklich niemand von außen beurteilen, vor allem weil Vertrauen ein Leitbild dieser Firma war. – Menschlich allein ist sowas heute viel zu selten und für Rückgrat in den Boden gerammt zu werden gebührt niemandem!

    @Herbert: Danke für den bis heute noch ansteckenden Enthusiasmus, die schöne Zeit und vielen Inspirationen mit Touratech!

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