Sumatra – das Interview

Sonja und Claudio in Sumatra

Radio RPR1 hat uns zu einem Interview über unsere Sumatra – Reise eingeladenIn der Sendung „Mein Abenteuer“ sprechen wir über unsere Erlebnisse auf der indonesischen Insel, die wir 2014 auf zwei landestypischen Mopeds durchquerten.

Über diese Reise haben wir auch eine sechsteilige Hör-Doku produziert, die ihr hier findet:
https://pegasoreise.wordpress.com/sumatra/

Hoffnung und Abschied

Palmölplantagen bis zum Horizont

Palmölplantagen bis zum Horizont

So viele Palmen wie hier an der Ostküste Sumatras haben wir noch nicht gesehen. In den Bergen fuhren wir mit den Mopeds durch so unterschiedliche Wälder, sogar Tannen wuchsen dort. Jetzt rollen wir wieder über den Trans-Sumatra-Highway vorbei an Plantagen, auf denen Ölpalmen in schnurgeraden Linien gepflanzt sind.
„Diese Palmölplantagen sind ein großes Problem für den Wald auf Sumatra. Sie entstehen auch an den Rändern des Urwalds und werden immer größer.“ Der drahtige Indonesier Adji setzt sich für den Schutz der Regenwälder auf Sumatra ein. „Internationale Konzerne investieren große Summen in Palmöl. Wir versuchen die lokale Bevölkerung aufzuklären, damit sie wieder ein Bewusstsein für das wertvolle Ökosystem Sumatras bekommt.“ Die Stiftung YEL, für die Adji arbeitet, bildet Kleinbauern in ökologischen Lanbau aus und schützt Tiere, die vom Aussterben bedroht sind, wie die Orang Utangs. Adji erzählt, wie sie die durch Brandrodungen vertriebenen Affen retten und wieder dem Urwald zuführen. Brände haben wir viele auf unserer Tour gesehen, von kleinen Müllbergen hinterm Haus bis zu großen Rauchwolken in den Wäldern. Menschen wie Adji und Organisationen wie YEL (www.yelweb.org) sehen die Zukunft Sumatras nicht nur als Rohstofflieferant für Palmöl, sondern als ein wertvolles Naturerbe für die kommenden Generationen Indonesiens.

Adji, der Waldschützer

Adji, der Waldschützer

Aus dem ländlichen Hinterland sind wir im Verkehrsinferno von Medan gelandet. Mühsam kämpfen wir uns durch die Blechlawinen der Großstadt. „Überholt werden und überholen lassen“ ist hier das Motto. Bei unserer Freundin Bungapola fühlen wir uns wie zuhause, hier verbringen wir noch ein paar Tage. Die Motorräder lassen wir gründlich waschen und die Werkstatt wechselt ein paar kaputte Verkleidungsteile. Schweren Herzens geben wir die Hondas zurück, die uns einen Monat lang zuverlässig über viele Kilometer quer durch Sumatra begleitet haben. Mit Stella und Maes gehen wir noch einmal Essen und am letzten Abend werden wir zu einer Hochzeit eingeladen. Sonja bekommt extra ein „Sarong“, ein typisch indonesisches Kleid. Nach dem Brauch des Batak – Volkes treffen sich die Familie und Freunde, also mehrere hundert Gäste zum Feiern in einem Saal. Frauen mit knallbunten Kleidern und toupierten Haaren und Männer in Batik-Hemden tanzen im Kreis um das Brautpaar, legen ihnen traditionelle Schals um die Schultern und sprechen ihnen stundenlang gute Wünsche zu. Währenddessen spielt eine Band spielt Batak – Musik, eine Mischung aus Folklore und Schlager. Die Leute winken uns zu, schütteln Hände, wir unterhalten uns soweit es geht und lachen viel.

Auf der Hochzeit

Auf der Hochzeit

Für uns geht die Reise zu Ende. Von den wunderbaren Menschen, die uns eingeladen, unterstüzt und geholfen haben verabschieden wir uns, bevor wir in den Flieger steigen. Terima Kasih! Mauliate! Thank you! Danke!

pp67 – Grüße aus Sumatra

Sonja und Claudio in SumatraVon einem Strassencafé in Sumatra senden wir akustische Grüße und schildern ein paar Eindrücke unserer Motorradreise. Wir haben viele Geräusche, Interviews und O-Töne aufgenommen, die wir erst später in Ruhe zu einer Dokumentation zusammenschneiden werden. Bis dahin gibt es erst einmal unsere Blogeinträge und diesen 15 Minuten – Podcast.
Bis bald und Selamat jalan!
Sonja & Claudio

PegasoPodcast MP3

Gestrandet in den Bergen

Unterwegs in den BergenWie weit ist es bis Takengon? Laut Karte sind es 60 km, ein Indonesier versichert uns 300 km. Hier in den Bergen Nordsumatras können wir uns auf nichts verlassen. Mal rauschen wir mit den Mopeds über guten Asphalt, mal geht es kilometerweise durch groben Schotter. Mal fahren wir durch enge Kurven bergauf und dann wieder lange bergab. Bei den Abfahrten machen wir es so wie die anderen hier: Motor abstellen und dann 20 Minuten lang rollen lassen. Irgenwann wird es abend, es regnet und wir sind immer noch in der Einsamkeit der Berge unterwegs. Bis Takengon schaffen wir es ganz sicher nicht mehr. An einem Kiosk in einem kleinen Dorf frage ich, ob es hier ein Hotel oder eine Unterkunft gibt. Keine Chance, hier gibt es nichts. Wir haben gerade mal die Hälfte der Strecke geschafft und sind ratlos. Der Kioskbesitzer deutet uns an, dass wir in seinem Haus übernachten können. Es ist eine einfache Holzhütte, zwei Zimmer, drei Glühbirnen, ein Fenster. Wir nehmen die Einladung gerne an, was bleibt uns anderes übrig?

unser Gastgeber Gaul und Familie

unser Gastgeber Gaul und Familie

Noch bevor wir das Gepäck von den Motorrädern gerödelt haben, versammeln sich Freunde und die Familie vor dem Haus. Viele Frauen und Kinder sind dabei, wir unterhalten uns mit Händen und Füssen. Auf der Landkarte zeigt Sonja, wo wir bisher unterwegs waren. Eine besonders kommunikative Frau zeigt uns auf der Karte das Dorf, in dem wir sind. In dieser Gegend lebt das Volk der Gayo, erklärt sie uns langsam und geduldig. Mit einem Wörterbuch und vielen Zeichen tauschen wir uns über die Sprachen Indonesisch, Deutsch und Gayo aus. Zwischendurch kommen immer wieder neue Leute, setzen sich dazu, stellen Fragen und lachen mit uns. Es ist mittlerweile stockfinster geworden. Gaul, der Kioskbesitzer bringt uns Tee und Reis mit Eiern zum Abendessen. Wir legen uns in der Stube auf den Teppich zum Schlafen. Hinterm Haus ist ein Reisfeld, es ist still im der Nacht.

Versammlung im Haus

Versammlung im Haus

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns herzlich von Gaul und seiner Familie. Wieder einmal sind wir erstaunt und dankbar für die Gastfreundschaft. Mit den Mopeds knattern wir weiter durch die Berge. Bis Takengon sind wir noch vier Stunden unterwegs. Hinter uns liegt der landschaftlich schönste Abschnitt dieser Reise.

Welcome to the Jungle

20140809-084533-31533722.jpgÜber einen schmalen Feldweg brettern wir mit unseren kleinen Motorrädern durch eine Kaffeeplantage zum Haus von Samuel. Der Kaffeeexperte hat uns eingeladen die Sidikalang – Bohnen kennen zu lernen.
Sonja und ich sitzen am nachmittag auf der Terasse und Samuel brüht uns einen wirklich großartigen Kaffee. Der Indonesier mit markanten Bärtchen und Brille hat die Kleinbauern im Ort zu einer Kooperative zusammengeführt um biologisch angebauten Kaffee in größeren Mengen zu exportieren. Er nimmt uns mit in die Berge, um uns die Kleinbauern vorzustellen. Ich bin fasziniert, die roten Kaffeekirschen an den dicken Sträuchern zu sehen, aus denen dann unser Lieblingsgetränk entsteht. Was für uns ein Genussmittel ist, bedeutet für die Menschen hier viel Arbeit und oft wenig Einkommen. Einer der Bauern erklärt uns, dass er jetzt auf den Orangenanbau umstellt, weil er dafür einen besseren Preis bekommt. Doch Samuel bleibt bei seinem Plänen. „Wenn wir es schaffen, die Qualität unseres Kaffees zu verbessern, dann bekommen wir dafür auch einen besseren Preis. Am besten wäre es, den Kaffee über den Fairen Handel zu exportieren.“

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Nach zwei Tagen im Kaffeeparadies beladen wir wieder unsere Motorräder und fahren weiter durch die Berge in Richtung Norden. Wir erreichen die Region Aceh. Früher war dieser stark islamisch geprägte Teil Nordsumatras eine sehr arme Gegend. Um so mehr staunen wir über die relativ gut ausgebaute Strasse durch die Berge. Zwei Drittel sind asphaltiert, wir kommen gut voran.
Einen Tag später sind wir im Urwald. Die Strasse führt mitten durch den Gunung Leuser Nationalpark, dem größten geschützten Waldgebiet Indonesiens. Weite Teile der Insel sind bereits gerodet, oft für riesige Palmölplantagen. Wir finden ein Gästehaus von dem aus wir eine Trekking – Tour in den Regenwald machen können. Zusammen mit Borga, einem spanischen Backpacker und unserem Guide Mus packen wir Schlafsäcke, Isomatten und Proviant für zwei Tage ein. Obwohl es angenehm kühl ist, sind wir schon nach einer halben Stunde im Wald komplett durchgeschwitzt. Die Luftfeuchtigkeit ist hier extrem hoch, Sonja und ich haben einfach keine Kondition mehr. Wir steigen steile Trampelpfade rauf und runter und klettern über Baumstämme.

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Doch es lohnt sich, an verschiedenen Stellen sehen wir Orang Utangs in den Bäumen. Diese großen orangefarbenen Affen leben hier in Freiheit und klettern durch die Baumkronen. Wir beobachten eine kleine Familie, die friedlich auf Ästen sitzt und Blätter knabbert. Am Abend baut uns Mus aus Ästen und Plastikplanen ein Zeltlager. Über einem Lagerfeuer bekommen wir ein Abendessen gekocht und sitzen noch bis tief in die Nacht zusammen. Am nächsten Morgen waschen wir uns im Fluss und wandern weiter. Mus führt uns zu einer Stelle, wo sich das Schwefelwasser aus den heissen Quellen mit dem kühlen Flusswasser vermischt. Wir springen wieder ins Wasser und geniessen ein Bad in der warmen Strömung. Ein großartiges Erlebnis.

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Hello Mister!

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Es vergeht kein Tag, an dem wir diesen Spruch nicht mindestens 20 Mal hören. Wo auch immer wir vorbeikommen – bei einer Pause am Strassenrand, auf dem Markt oder an der Tankstelle – nach kurzer Zeit ertönt dieser Ruf. Auch ich als Frau werde oft mit „Hello Mister“ angesprochen. Meistens bleibt es bei dem Spruch, manchmal aber ergeben sich kleine Gespräche mit einem Mix aus Indonesisch und Englisch oder einfach nur mit Händen und Füssen. Ein Lächeln ist dabei fast immer der Türoffner für eine Begegnung. Überhaupt lachen viele Menschen auf Sumatra sehr gerne und sehr oft. Und es macht ihnen sichtbar Spass, mit uns in Kontakt zu treten und ihre Englischkenntnisse anzuwenden. Kaum setzen wir uns bei einer Garküche an den Tisch, nähert sich nach kurzer Zeit jemand und eröffnet das Gespräch mit den Worten „Anda dari mana?“ (Woher kommst du?). Dabei erlebe ich die Indonesier als sehr höflich und taktvoll. Oftmals bedanken sie sich am Ende für das Gespräch oder bitten um ein Foto mit uns. Was wir ihnen natürlich gerne gewähren. Schließlich wurde unsere Bitte nach einem Foto noch nie abgelehnt. Die meisten Leute hier lassen sich gerne fotografieren und machen selber gerne mit ihren Mobiltelefonen Bilder von sich und anderen. Und wenn wir mal keine Lust auf Gespräche haben, reagieren wir einfach nicht auf die Zurufe. Ein aufdringliches oder penetrantes Verhalten habe ich noch nicht erlebt. Als Europäer fallen wir hier einfach sofort auf, egal wie wir uns verhalten. An den meisten Orten auf unserer Route durch Nord-Sumatra scheinen wir fast die einzige hellhäutigen Touristen zu sein. Ausnahmen sind das Dorf Tuk Tuk am Tobasee und der Gunung Leuser Nationalpark. So vielen Europäern auf einem Fleck wie hier sind wir in den vergangenen Wochen nicht begegnet.
Wir erregen alleine durch unser Aussehen schon sehr viel Aufmerksamkeit. Besonders Claudio sticht mit seiner Körpergrösse von 1,86 cm aus der Menge der meistens kleineren Asiaten hervor. Nur beim Motorrad fahren tauchen wir ab und zu mit unseren landestypischen Moppeds in der anonymen Masse der Verkehrsteilnehmer unter. An manchen Tagen nervt es mich, ständig im Mittelpunkt zu stehen und ich wünsche mir eine Maske mit indonesischen Gesichtszügen als Tarnkappe. Wenn ich aber zurückschaue auf die letzten Wochen und an die tollen Begegnungen denke, dann nehme ich die vielen „Hello Mister“ gerne in Kauf.

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Begegnungen am Toba – See

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Wir hatten uns fest vorgenommen, nicht im Dunkeln zu fahren, doch jetzt bleibt uns keine andere Chance. Als wir auf der Insel Samosir ankommen ist es sechs Uhr, in einer Stunde wird es stockfinster sein. Die Anreise führte über wunderschöne Bergstrassen, das Motorradfahren machte zum ersten mal richtig Spass. Es fühlt sich schon komisch an, zum Ufer bergauf zu fahren. Der Toba-See ist ein riesiger Vulkankrater, in der Mitte liegt die Insel Samosir. Mit einer kleinen Passagierfähre wollen wir rüberfahren. Die kleinen Mopeds werden über eine Holzrampe an Deck geschoben und mit einem Seil an der Reling festgemacht. Nach einer guten halben Stunde kommen wir am anderen Ufer an und brettern los. 40km sind es von hier bis zur anderen Seite der Insel. In der Finsternis weichen wir Schlaglöchern aus und fahren durch versandete Umleitungen. In der Dunkelheit erreichen wir zwei Stunden später die kleine Stadt Pangururan, hier sind wir mit der Debora verabredet. Die humorvolle Pfarrerin empfängt uns lachend und lädt uns direkt ein zu den heissen Quellen von Samosir. Hier brodelt es unter der Erde, an mehreren Stellen tritt Schwefel an die Oberfläche. Als wir im Schwefelbad liegen, fällt der Stress der Anreise von uns ab. Anschliessend essen wir zusammen mit Debora in einem kleinen Open Air Restaurant.

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Wir sind im Zentrum der Batak – Kultur angekommen. Das Volk der Toba-Batak kommt vom gleichnamigen See und sie sind größtenteils Christen im Gegensatz zur muslimischen Mehrheit in Indonesien. Ihre Kultur und Bräuche haben sie bis heute bewahrt, wir sehen auf Samosir viele Dörfer mit alten Holzhäusern im Batak-Stil mit vorgezogenen Dachgiebeln und reichen Verzierungen. Manatar und Pasabart, zwei junge Kollegen von Debora wollen uns ein paar wichtige Orte ihrer Kultur zeigen. Auf drei Mopeds brettern wir in die Berge. Wir tragen natürlich die volle Motorrad – Montur, die beiden nur Jeans, T-Shirts und keine Helme „We are still young!“ ist ihre einleuchtende Begründung. Sie zeigen uns den heiligen Stein der Batak und einen traditionellen Versammlungsort. Dann führen sie uns noch zu einem Dorf am Ende einer unbefestigten Strasse. Es geht bergab über lockeren Schotter und Sand. Einige Passagen sind so steil dass Sonja sich helfen lässt. Es ist schon erstaunlich, welche Offroad-Strecken sie als Fahranfängerin meistert, aber irgendwann geht es nicht mehr.

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Manatars Großmutter

Hier wohnen die Großeltern von Manatar in einem alten Holzhaus direkt am Ufer des Toba-Sees. Mit etwas Batak – Englisch – Übersetzung können wir uns verständigen. Sie laden uns zum Mittagessen ein, was wir dankend annehmen.
Aus dem ursprünglich geplanten einstündigen Ausflug wird ein ganzer Tag, erst am Abend kommen wir wieder zurück zu Deboras Haus. Wir verbringen ein paar entspannte Tage auf Samosir, baden am Strand, besuchen den Wochenmarkt und treffen wunderbare Menschen.

Trans-Sumatra-Highway

20140729-173054-63054562.jpgDie Motorradreise beginnt! Es war echt nicht einfach, in der Millionenstadt Medan zwei Mopeds für uns zu organisieren.
Unsere Freunde Stella und Maes haben ihre Kontakte genutzt und viel telefoniert bis sie uns dann zwei Fahrzeuge mitbrachten, die typischer für dieses Land nicht sein können. Zwei kleine japanische Leichtkrafträder mit Halbautomatik (Honda SupraFit und Honda Revo110), mit denen Millionen Indonesier unterwegs sind, mal allein, mal als vierköpfige Familie, mal mit unfassbar viel Gepäck und mal auch ohne Licht und Verkleidung.
In einer kleinen Werkstatt am Strassenrand lassen wir noch einen Spiegel montieren, das Öl und eine Sicherung wechseln, dann kann es los gehen. Damit wir überhaupt den Sumatra-Highway finden, eskortieren uns Stella und Maes durch das Labyrinth der Strassen von Medan.

20140729-173249-63169605.jpgStella, die dreiundzwanzigjährige Journalistin und ihr Bruder Maes leben in dieser Metropole und flitzen zu zweit auf einer Maschine kreuz und quer durch die Blechlawinen. Wir überholen Laster, Autos, Fußgänger und „Becaks“, die bunten Motorradtaxis mit Beiwagen. Der Linksverkehr ist das geringste Problem, aber rechts und links zu Überholen und dabei selbst ständig geschnitten zu werden, daran müssen wir uns noch gewöhnen. Nach einer Stunde haben wir den Stadtrand erreicht. Völlig nassgeschwitzt und fertig verabschieden wir uns von unsern Begleitern. Ab jetzt kämpfen wir uns über diese Landstrasse, die mit zwei Spuren einfach zu eng für zu viele Fahrzeuge ist. Am Wochenende beginnen die Ramadan-Ferien, jetzt sind alle unterwegs, die aus der Metropole raus zu ihren Familien fahren. Wir haben wohl den schlechtesten Zeitpunkt erwischt. Uns kommen immer wieder Busse auf unserer Spur entgegen, die einen Laster überholen, der wiederum gerade ein Motorrad überholt. Auch in Kurven. Es passt immer irgendwie, strengt aber auch an.

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„Das fühlt sich an wie Autoscooter“ dachten wir noch in der Stadt. Doch hier merken wir, dass es besser ist, ganz links, ganz langsam und ganz achtsam zu fahren. Nach fünf Stunden haben wir noch nicht einmal 70 Kilometer geschafft. Wir übernachten „Ebeneser“ in einer Einrichtung der christlichen Minderheit. Asni, die Leiterin erklärt uns, dass es eine Art Seniorenwohnanlage für Mitarbeiterinnen der Kirche ist, die unverheiratet sind und dadurch keine Familie haben, die sie im Alter versorgen. Hier wohnen sie als Gemeinschaft zusammen und ein kleines Team kümmert sich um die rüstigen Seniorinnen. Der Garten, in dem die Damen singend und Kaffee trinkend unter einem Baum sitzen ist der totale Kontrast zu dem Verkehr in den wir uns am nächsten Tag wieder stürzen. Hinter der Großstadt Siantar biegen wir ab Richtung Westen und verlassen den Trans-Sumatra-Highway. Zum ersten mal spüre ich so etwas wie angenehmen Fahrtwind. Es sind endlich weniger Fahrzeuge unterwegs und die Gegend wird ländlicher. Puh!

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Shakehands in Sumatra

20140723-162548-59148239.jpg„Selamat Datang – Herzlich Willkommen in Sumatra!“ sagt Bungapola und umarmt uns beide. Die resolute Indonesierin beherbergt uns die ersten Tage und ist unsere Ansprechperson in Medan, der größten Stadt auf dieser Insel. Sie arbeitet für die christliche Kirche und nimmt uns gleich mit in ihren Gemeindealltag. Unsere Ankunft auf Sumatra hätte nicht herzlicher sein können, aber auch nicht aufregender. Noch bevor wir uns von der 20-stündigen Anreise ausruhen können lädt sie uns in ihre Kirche ein. Wir stolpern in eine riesige, komplett gefüllte Kirche und erleben ein Abendgottesdienst in indonesischer Sprache und viel Gesang. Am Ende stehen wir beide mit Bungapola und mehren Pfarrern vorne, als die gesamte Gemeinde vorbeizieht und uns die Hände schüttelt. Sonja und ich sind erst wenige Stunden in Sumatra und wurden schon von 800 Menschen freundlich begrüßt.

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Bungapola, unsere Gastgeberin hat selbst einige Zeit in Deutschland gelebt und spricht unser Sprache. Mit ihr waren wir in den letzten Tagen bei verschiedenen Familien zu Gast, bei denen sie uns immer wieder vorstellt und für uns übersetzt. Heute morgen nahm sie uns mit zu einer Schule. Sonja wollte wissen, wie der Schulalltag in Indonesiern aussieht. Der Morgen beginnt um 7.00 Uhr mit gemeinsamen Singen und Bewegungsspielen. Wir werden vorgestellt und müssen sofort neugierige Fragen über Deutschland beantworten. Bevor der Unterricht beginnt, schütteln uns noch einmal alle Kinder auf dem Schulhof die Hände. Jetzt sind es schon über tausend Begrüßungen per Handschlag.
Uns macht hier die permanente Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit zu schaffen. Wir staunen über den hektischen Strassenverkehr. Unsere ersten Erfahrungen sammeln wir in einem „Becak“ ein Motorradtaxi mit Beiwagen. Noch können wir uns gar nicht vorstellen, bei den Temperaturen mit Helm und Protektorenjacke unterwegs zu sein. Überall fragen wir nach einer Möglichkeit Motorräder zu mieten, doch das scheint gar nicht so einfach zu sein. Stella, eine weitere deutschsprachige Indonesierin will uns bei der Suche helfen. Langsam wird es Zeit, dass wir aufbrechen und die quirlige Millionenstadt hinter uns lassen.

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Auf nach Sumatra

Sumatra Hattingen

„Das soll für einen Monat reichen?“ fragen wir uns beim Packen der Sachen. In wenigen Tagen beginnt unsere Reise durch Sumatra. So wenig Gepäck wie möglich mit zu nehmen sind wir ja schon gewohnt, aber diesmal kommt es uns schon komisch vor. Wir nehmen wenig Kleidung, unsere Helme und Motorradklamotten jedoch kein Zelt, keine Schlafsäcke und nur wenig Werkzeug mit. Wir wissen ja noch nicht, was für Motorräder wir vor Ort fahren werden, aber vielleicht werden es die typischen asiatischen Mopeds sein. Als ich vor drei Jahren in Indonesien war, sah ich überall solche „Burden-bikes“, die hier in Deutschland als Honda Innova bekannt sind. Das sind kleine 125ccm Motorräder mit Halbautomatik, die aussehen wir Roller mit großen Reifen.

Wie fahren sich solche Maschinen?  Weiterlesen